Vom Jugendgemeinschaftswerk (JGW) zum Jugendmigrationsdienst (JMD)  
(Abstract)
Jugendgemeinschaftswerke wurden in der unmittelbaren Nachkriegszeit als Selbsthilfewerke für eltern-, heimat- und berufslose Jugendliche konzipiert. Es folgte die sozialpädagogische Begleitung von Flüchtlingen und ausgesiedelten Jugendlichen. Als begleitende Hilfen bei der gesellschaftlichen Eingliederung von Einwanderern haben sich die Jugendgemeinschaftswerke lange bewährt.
In Stadt und Landkreis Kassel war das Jugendgemeinschaftswerk in katholischer Trägerschaft (Sozialdienst katholischer Frauen, später Caritasverband Kassel) seit über 30 Jahren tätig. Es leistete konkrete Hilfestellung bei der Integration der jungen Zuwanderer und ihrer Familien. Die Hilfe orientierte sich in inhaltlicher, methodischer und organisatorischer Hinsicht immer am individuellen Bedarf der Klienten.
Zur Wandlung des Jugendgemeinschaftswerkes zum Jugendmigrationsdienst
Zur Vorbereitung der Einbindung in ein bundesweites Integrationsprogramm wurde das Programm 18 im Kinder und Jugendplan des Bundes (KJP) Eingliederung junger Menschen mit Migrationshintergrund, in Verantwortung des BMFSFJ auf der Grundlage dieser Grundsätze inhaltlich umgestaltet. Diese umgestalteten Grundsätze dienen als verbindliche Arbeitsgrundlage für die Aufgabenwahrnehmung der JMD.
Schwerpunkte der Umgestaltung des KJP:
Individuelle Integrationsförderung (Case Management)
- Individueller Integrationsplan nach der Einreise.
- Gezielte und bedarfsgerechte Integrationsbegleitung von nicht mehr
schulpflichtigen jungen Neuzuwanderinnen und Neuzuwanderern
(Förderpläne anhand von Kompetenzfeststellung und Ausbildungswünschen,
Bildungsberatung und Zielereichungskontrolle) durch eine Vertrauens-
person im JMD.
- Moderation und Begleitung des Integrationsprozesses.
- Spezielle Beratungsangebote für alle jungen Menschen mit Migrations-
hintergrund in eingliederungsbedingten Krisensituationen.
- Vermittlung an andere Dienste und Einrichtungen.
- Entwicklung, Initiierung oder Durchführung begleitender Gruppenangebote,
wie Elternsprechstunden oder Elternabende, um Hemmschwellen abzubauen
und ihnen die Bedeutung von Schulabschlüssen und die Notwendigkeit ihrer
Mithilfe bei der Fort- und Weiterbildung ihrer Kinder deutlich zu machen.
- Soziale Gruppenarbeit für alle jungen Menschen mit Migrationshintergrund
auch unter Einbeziehung der einheimischen Jugendlichen.
Netzwerk- und Sozialraumarbeit
- Angebotsanalyse, Erstellung eines Sozialatlasses.
- Mitarbeit in kommunalen Netzwerken.
- Förderung der ehrenamtlichen Arbeit.
- Entwicklung und Begleitung von gemeinwesenorientierten Angeboten.
- Identifizieren von Förderlücken, Organisation des Förderangebotes.
- Koordination der Angebote für die Zielgruppe im Sozialraum.
Interkulturelle Öffnung von Einrichtungen
- Informations- und Bildungsveranstaltungen.
- Durchführung Interkultureller Trainings für Multiplikatoren und (Jugend)Gruppen.
- Öffentlichkeitsarbeit, Interessenvertretung und Lobbyarbeit.
- Förderung des Interkulturellen Dialogs.
Die geförderten Einrichtungen wurden in Jugendmigrationsdienste (JMD) umbenannt und mithilfe eines bundesweiten Integrationsprogrammes, unter Berücksichtigung der Standorte von Integrationskursen, zu einem bedarfsgerechten Netz ausgebaut.
Das Jugendgemeinschaftswerk (JGW) des Caritasverbandes Nordhessen-Kassel befand sich im Jahr 2004 in der konzeptionellen Umstrukturierungsphase hin zum Jugendmigrationsdienst (JMD).
Die Verbesserung der Bildungsberatung von Migrantinnen und Migranten und damit auch die Erhöhung ihrer Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kann nur dann gelingen, wenn vor Ort alle betroffenen Akteure zusammenarbeiten und gemeinsam Netzwerke bilden. Dazu gehört auch eine klare Aufgabenverteilung in der Kommune und eine Vernetzung mit den Aufgaben der Regeldienste.
Damit die Neustrukturierung der Jugendmigrationsdienste auch in der Fläche nachhaltige Wirkung zeigt, sind intensive Kontakte mit den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden erforderlich.
Ziele der Betreuung junger Zuwanderer durch den Jugendmigrationsdienst
- Förderung ihrer Teilhabechancen in unserer Gesellschaft
unter Wahrung ihrer kulturellen, individuellen und nationalen Identität.
- Systematische Berücksichtigung der Unterschiedlichkeit der
Geschlechter in den Angeboten und der Personalstruktur der JMD.
- Förderung ihrer interkulturellen Kompetenz.
- Förderung und Begleitung in ihrem sprachlichen, schulischen,
beruflichen und gesellschaftlichen Integrationsprozess.
- Vermittlung und Ergänzung von Integrationshilfen und ggf.
Durchführung von Integrationsmaßnahmen.
- Ausgleich zuwanderungsbedingter Benachteiligungen.
- Förderung von Kompetenzen.
Um die Aufgaben als Jugendmigrationsdienst zu bewerkstelligen, finden regelmäßig intensive Gespräche mit Sprachkursträgern, Schulen, Vereinen, Trägern der Jugendberufshilfe sowie anderen Institutionen und Behörden statt. Ziel dieser Gespräche ist es, ein etabliertes Netzwerk zu erhalten, um die Klienten im Rahmen des Case Managements ihren Bedürfnissen entsprechend an kompetente Fachdienste zu vermitteln.
Idealtypischer Verlauf einer Integrationsbegleitung durch den JMD
- Der JMD erhält von den zuständigen städtischen Behörden unmittelbar
Kenntnis über den Zuzug von Migranten im Alter zwischen 12 und 27 Jahren und
deren Wohnsitz. Diese Zugewanderten werden von den zuständigen städtischen
Behörden angewiesen, innerhalb von 14 Tagen Kontakt zum JMD aufzunehmen.
- Die Migranten, die keinen Kontakt binnen 14 Tagen zum JMD aufnehmen,
werden von diesem aufgesucht und ein Beratungstermin (evtl. mit Dolmetscher)
vereinbart.
- Der JMD bespricht und bereinigt (wenn möglich) akute Problemlagen, hilft
bei bürokratischen Schwierigkeiten und beginnt mit der Erstellung eines
individuellen Integrationsplans. Weitere Termine werden vereinbart.
- Nach (oder während) der Erstellung des individuellen Integrationsplans
vermittelt der JMD in passgenaue erste Fördermaßnahmen, z.B. Sprach-/Integrationskurs,
Berufsorientierung, Beschäftigung, Qualifizierung, Ausbildung.
- Während der Maßnahme unterhält der JMD einen regelmäßigen Kontakt sowohl
zu den Maßnahmeträgern als auch zu den TeilnehmerInnen.
- Der persönliche Berater begleitet den Migranten auf seinem Integrationsweg
und gibt Hilfestellung bei allen auftretenden Problemen, bzw. vermittelt zu
entsprechenden Fachdiensten.

Räumlichkeiten und Angebote des JMD der Caritas
Die Büroräume des Jugendmigrationsdienstes befinden sich im
Regionalhaus Adolph Kolping, Die Freiheit 2, 34117 Kassel (Innenstadt). Hier stehen den JMD fünf Büroräume und ein Seminarraum zur Verfügung.
Ebenfalls im Kolpinghaus befinden sich neben der
Geschäftsführung und der
Buchhaltung einige andere Dienste und Beratungsstellen der Caritas wie die
Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE), das
Raphaels-Werk, die
Allgemeine Sozial- und Lebensberatung, die
Schuldner- und Insolvenzberatung, die
Wohnraumberatung für Senioren und Behinterte, der
Betreuungsverein, der
Hospizverein, die
Kindertagesstättenvermittlung sowie die Dienststelle
Caritas der Gemeinde.
Neben den Räumlichkeiten im Kolpinghaus betreibt der JMD noch das Caritas
Jugendzentrum mit Internetcafé im
Grünen Haus in der Frankfurter Straße 209, 34134 Kassel-Niederzwehren. Hier stehen - als niederschwelliges Angebot für die Zielgruppe - ein großer Mehrzweck- und Discoraum mit DJ-Pult, eine Stereoanlage, eine Playstation, eine Kochecke, ein Raum mit Billardtisch und Kicker, ein Raum mit Tischtennisplatte und Dartsscheibe sowie ein großes Internetcafé mit zehn vollausgestatteten und funktionstüchtigen PCs zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung. Mit Neigungsgruppen werden im JUZ auch HipHop-Workshops, Computer- und Internetkurse, Lernen mit Sprachlernsoftware, Bildbearbeitung, medienpädagogische Angebote (Filmdrehs) etc. durchgeführt.
Personal
Beim Jugendmigrationsdienst des Caritasverbandes Nordhessen-Kassel arbeiten zzt. ...
- 4 Diplom Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen hauptamtlich auf insgesamt 2.25 Personalstellen.
- 1 Diplom Pädagoge hauptamtlich auf insgesamt 0.75 Personalstellen
- 1 Diplom Sozialwirtin hauptamtlich auf insgesamt 0.75 Personalstellen.
- 7 Honorarmitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in den verschiedenen Projekten und Maßnahmen.
- 2 Studentinnen in den Berufspraktischen Studien der Universität Kassel.